Gesundheit
27.08.2026
Ernährungsberatung als Erfolgsfaktor
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Ernährung entscheidet nach Expertenmeinung über 60 bis 80 Prozent der Zielerreichung – trotzdem bieten die wenigsten Fitness-Studios und Personal Trainer eine strukturierte Ernährungsberatung an. Ernährungsexperte Stephan Müller, Vorstand des Bundesverbands Personal Training, erklärt im Podcast Hashtag Fitnessindustrie, warum einfache Konzepte mehr bewirken als komplexe Anamnesen, wie die Abnehmspritze das Geschäft verändert und welche drei Schritte für den Einstieg reichen.
Fragt man Studiobetreiber und Personal Trainer, wie hoch der Anteil der Ernährung an der Zielerreichung ihrer Kunden ist, liegt die Antwort laut Stephan Müller so gut wie nie unter 60 Prozent – viele nennen 70 oder sogar 80 Prozent. Genau darin liegt für ihn der Widerspruch: Wer selbst davon ausgeht, dass ein Großteil des Erfolgs an der Ernährung hängt, aber ausschließlich auf Training setzt, lässt den größeren Hebel liegen.
Müller vergleicht die Ernährung mit dem Baumaterial eines Hauses: Wird schlechtes Material verbaut, hält das Gebäude dem ersten Sturm nicht stand. Führt der Körper dauerhaft minderwertige Nährstoffe zu, kann auch das beste Training die Folgen nicht auffangen. Trotzdem bleibt Ernährungsberatung in der Praxis vielerorts ungenutztes Potenzial – aus Zeitmangel, Unsicherheit über die eigene Kompetenz oder Sorge vor rechtlichen Grauzonen.
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„Wenn ich meinem Körper Schlechtes zuführe, wird auch nur Schlechtes aufgebaut.“ Stephan Müller |
Wo Beratung endet und Therapie beginnt
Einfache, alltagstaugliche Ernährungstipps gehören für Müller ins Grundrepertoire jeder Fachkraft in der Gesundheitsbranche. Entscheidend ist dabei das Erstgespräch: Wer die Ziele und Beweggründe seiner Kunden erfragt, bekommt schon viele Antworten. Zeigen sich dabei aber ernsthafte gesundheitliche Probleme – etwa schwere Darmerkrankungen, psychische Erkrankungen oder Zustände nach Herzinfarkt und Schlaganfall –, empfiehlt Müller klar die Grenze zu ziehen und an einen Ernährungsberater, Ernährungswissenschaftler oder Ernährungstherapeuten weiterzuvermitteln.
Die „Big Five“ der Ernährungsberatung
Um Ernährungsberatung praxistauglich zu machen, arbeitet Müller mit fünf klar abgegrenzten Themenfeldern, die nach seiner Erfahrung rund 99 Prozent aller Kundenanliegen abdecken:
- ❯ Gewichtsabnahme und -zunahme – der mit Abstand größte Bereich.
- ❯ Schmerzreduktion, häufig als Unterstützung nach Operationen oder Verletzungen.
- ❯ Beauty und Aussehen, besonders bei jüngeren Zielgruppen.
- ❯ Ausdauer und Kraft, etwa für Muskelaufbau und bessere Leistungsfähigkeit.
- ❯ Energielevel, ein oft unterschätztes, aber sehr dankbares Feld.
Für jeden dieser Bereiche gibt es nach Müller einfache, gut kommunizierbare Ansatzpunkte – vom Kalorienmanagement bei der Gewichtsabnahme über das Omega-3-/Omega-6-Verhältnis bei Schmerzthemen bis hin zu Vitamin D für mehr Energie.
Schneller Erfolg statt Anamnese-Marathon
Ein zentraler Fehler in der Praxis: Viele Konzepte starten mit einer aufwendigen Anamnese, Ernährungstagebüchern und umfangreichen Check-ups – während der Kunde wochenlang keinen sichtbaren Erfolg sieht und die Motivation verliert. Müller vergleicht das mit einem Tennisanfänger, der erst sieben Trainingseinheiten zuschauen soll, bevor er selbst einen Schläger in die Hand bekommt: Kaum jemand würde dabeibleiben.
Sein Rat: Kunden müssen möglichst schnell einen spürbaren Fortschritt erleben – ob weniger Gewicht, weniger Schmerzen oder mehr Energie. Erst dieser frühe Erfolg schafft die Motivation, sich auf tiefergehende Veränderungen einzulassen.
Während beim Einzeltrainer die Umsetzung an einer Person hängt, braucht ein Fitnessstudio ein Konzept, das alle Mitarbeitenden mittragen können – von der Theke bis zum Group-Fitness-Kurs. Entscheidend ist laut Müller nicht, dass jeder Mitarbeitende zum Ernährungsexperten wird, sondern dass er weiß, wohin er Kunden mit konkretem Bedarf weiterleitet. Bleibt diese Weiterleitung aus, geht der Kunde – und mit ihm ein wirtschaftliches Potenzial.
Nahrungsergänzung: Mehrwert statt reiner Verkauf
Auch der Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln über Affiliate-Modelle kann laut Müller wirtschaftlich sinnvoll sein – wenn einige Kriterien erfüllt sind. Von klassischen Abo- oder Franchise-Modellen mit Fixkosten rät er ab. Sinnvoller sind flexible Linklösungen ohne Lagerware, die rund um die Uhr und international nutzbar sind. Als Faustregel für die Wirtschaftlichkeit nennt er eine Cashback-Marge von mindestens 40 bis 45 Prozent.
Wichtig bleibt dabei der Kundennutzen: Ein gut eingestellter Vitamin-D-Spiegel etwa lässt sich laut Müller oft innerhalb von ein bis zwei Wochen deutlich verbessern – mit spürbaren Effekten auf Schlaf und Energie, die sowohl den Kunden als auch das Geschäftsmodell überzeugen.
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60–80 % geschätzter Anteil der Ernährung an der Zielerreichung |
5 zentrale Themenfelder – die „Big Five“ der Ernährungsberatung |
40–45 % empfohlene Mindestmarge bei Affiliate-Modellen |
Die Abnehmspritze verändert die Branche
GLP-1-basierte Medikamente – umgangssprachlich „Abnehmspritze“ – sind aus Sicht von Müller längst in der Fitnessbranche angekommen und werden ihre Arbeit dauerhaft verändern. Der Grund liegt für ihn weniger in der medizinischen Bewertung als im schnellen sichtbaren Erfolg, den viele Anwenderinnen und Anwender nach jahrelangen erfolglosen Abnehmversuchen erstmals erleben.
Statt das Thema pauschal abzulehnen, plädiert Müller für Begleitung: Wer eine Abnehmspritze nutzt, verliert häufig auch Muskelmasse – ein hochwertiges Krafttraining ist daher aus seiner Sicht unverzichtbar, ebenso eine schrittweise Ernährungsumstellung, die den Körper unterstützt und Entzündungswerte senkt. Da es sich um ein verschreibungspflichtiges Medikament handelt, empfiehlt er ausdrücklich die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Ärztinnen und Ärzten sowie Ernährungstherapeuten – ein Netzwerk, das aus seiner Sicht auch preislich höherwertige Beratung gegenüber Discount-Angeboten rechtfertigt.
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„Ich bin kein Fan von der Abnehmspritze. Aber ich möchte den Menschen helfen, trotz Abnehmspritze gut durchzukommen.“ Stephan Müller |
Personalisierte Diagnostik mit Augenmaß
Auch datenbasierte, personalisierte Ernährungskonzepte gewinnen laut Müller an Bedeutung. In seiner eigenen Arbeit mit Leistungssportlern setzt er standardmäßig auf drei Tests: Vitamin-D-Status, Aminosäureprofil und einen Test auf stille Entzündungen (Silent Inflammation). Wichtig ist ihm dabei die professionelle Auswertung über ein Labor statt über Selbsttests – sowohl wegen der Genauigkeit als auch aus Haftungsgründen, da Trainer keine medizinischen Diagnosen stellen dürfen.
Gleichzeitig warnt er vor Überkomplexität: Nicht jeder Kunde braucht oder will umfangreiche Tests. Manche wollen einfach schnell sichtbare Ergebnisse auf der Waage sehen. Die Aufgabe des Beraters ist es, den passenden Weg für den jeweiligen Kunden zu erkennen.
Drei erste Schritte für den Einstieg
- ❯ Bedürfnisorientiert starten: Lösung anbieten, die konkret zum genannten Kundenziel passt – Abnehmen, Schmerzen, Energie.
- ❯ Einfach umsetzbar gestalten: Das Konzept muss von allen relevanten Mitarbeitenden verstanden und mitgetragen werden.
- ❯ Komplexität vermeiden: Keine monatelangen Schulungen oder unübersichtlichen Check-up-Kataloge – die Umsetzung muss in wenigen Minuten erklärbar sein.
Fazit: Der Bedarf wächst weiter
Müller ist überzeugt, dass Ernährung in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnt – begünstigt durch Stress, gestörte Darmgesundheit und den Wunsch vieler Menschen nach schnellen, kompetenten Antworten. Studios und Trainer, die das Thema einfach, praxisnah und ohne Verkaufsdruck angehen, sichern sich aus seiner Sicht einen klaren Wettbewerbsvorteil – inklusive eines zusätzlichen Umsatzpotenzials, das sich laut Müller je nach Umsetzung im vier- bis fünfstelligen Bereich pro Monat bewegen kann.
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Die vollständigen Insights zu Big Five, Nahrungsergänzung und Abnehmspritze erfahren Sie in der aktuellen Folge 185 von Hashtag Fitnessindustrie mit Stephan Müller. |
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AUTOR Andreas M. Bechler ist Autor, Berater, Dozent und Podcaster in der Fitnessbranche. Mit seinem Podcast „Hashtag Fitnessindustrie" ermöglicht er einen Wissenstransfer zwischen den Interviewgästen und den Zuhörern zum Nutzen der gesamten Branche. Aktuelle Trends und Entwicklungen sind ebenso Teil des Podcasts wie grundsätzliche strategische Fragen aus dem Tagesgeschäft von Fitnessanbietern. |
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